Alte Schule

Alte Schule, heute Museum der Gemeinde Gründau
Alte Schule, heute Museum der Gemeinde Gründau

Das Gebäude in der Niedergründauer Obergasse 20 hat eine wechselreiche Vergangenheit hinter sich. Erbaut wurde es in den Jahren 1835 bis 1837 als Nachfolger des vom Verfall bedrohten Vorgänger-Schulhauses, das direkt hinter ihm auf dem ehemaligen Schulhof stand.

Schule 1838-1964
Wohnung 1838-1952
Standesamt 1945-1984
Bürgermeisteramt 1919-1984
Feuerwehrgerätehaus 1969-1994
Schwesternstation 1979-1994
Arztsprechstunde bis 1994
Gründauer Archiv seit 1993
Gründauer Heimatmuseum seit 1996

Untergeschoss/Keller

Ärchäologie

Im Zusammenhang mit der Wiederherstellung der ursprünglichen Räume in der alten Schule wurde auch einer der Kellerräume wieder aufgebaut. Hier wird eine der größten archäologischen Sammlungen im Main-Kinzig-Kreis gezeigt.
In sieben Vitrinen wird ein Teil der vielen Funde aufbewahrt und zur Schau gestellt. Eine große Sammlung stellen Gegenstände aus der Jungsteinzeit dar, die in der Gemarkung Gründau an etlichen Fundorten ausgegraben wurden.
Zu sehen sind unter anderem steinerne Werkzeuge, Mahlsteine, schnurkeramische Becher, eine Radnadel aus der Hügelgräberbronzezeit sowie Fibeln und Fußringe aus der Keltenzeit.

Unterer Teil einer Urne
Unterer Teil einer Urne Durchmesser etwa 75 cm, ursprüngliche Höhe etwa 110 cm

Ein großer Siedlungsplatz liegt auf Rothenberger Gemarkung, der geophysikalisch vermessen wurde. Dabei konnten sieben Hausgrundrisse eindeutig festgestellt werden.

In Lieblos wurden im Rahmen von Feldbegehungen elf Urnen gefunden und geborgen. Der größte Teil dieser Funde und die erst 2013 entdeckte ungewöhnlich große Urne sind im Museum zu besichtigen.

Baustelle "Ortsumgehung Hain-Gründau"
Baustelle "Ortsumgehung Hain-Gründau" Ausgrabungen, November 2008

Zwischen Hain-Gründau und Gettenbach konnten vor dem Beginn der Bauarbeiten zur Ortsumgehung von Hain-Gründau mit geophysikalischen Untersuchungen und nachfolgenden Ausgrabungen Reste einer bronzezeitlichen Siedlung gefunden werden.

Aber auch in den anderen Ortsteilen konnten Funde aus weiteren geologischen Epochen, bis hin zur Neuzeit, sichergestellt und zur Ausstellung gebracht werden.


Hausmetzgerei

Im ehemaligen Gewölbekeller sind Gerätschaften präsentiert, die in früheren Zeiten von Hausmetzgern in Gebrauch waren. Bis in die 1960er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein war es üblich, dass nahezu in jedem Haus mindestens einmal im Jahr eine Schlachtung durchgeführt wurde. Diese nahm der Hausmetzger vor, ein ausgebildeter Metzger, der mit den erforderlichen Werkzeugen und Vorrichtungen ausgerüstet war.

In der Ausstellung sind Wurstmaschinen, Fleischwolf, eine Maschine zum Verschließen von Dosen und eine Menge Kleingeräte zu sehen.

Lapidarium

Ysenburger Grenzsteine
Ysenburger Grenzsteine

Im gleichen Kellerraum ist auch das Lapidarium untergebracht.
Hier zeigen wir eine Sammlung von Grenzsteinen mit dem Ysenburger Wappen und anderen Steinen, wie z. B. verschiedene Pflastersteine aus Sandstein und aus Basalt. Daneben sind auch Ziegel und verschiedene Bodenplatten sowie Reste von altem Fachwerkputz vorhanden. Handgefertigte, luftgetrocknete Backsteine sowie in der "Russenfabrik" gebrannte Backsteine runden das Bild ab.

Russenfabrik in Niedergründau, um 1886
Russenfabrik in Niedergründau, um 1886

Zwischen Niedergründau und Mittel-Gründau befand sich eine sogenannte "Russenfabrik". Hier wurde Feldbrand hergestellt; d. h., aus Lehm bzw. Ton mit der Hand mit einer Metallform Backsteine produziert. Diese "Fabriken" waren hier in unserer Gegend mehrfach vorhandenen, in der Regel dort, wo Ton und Lehm abgebaut werden konnte. Der Name erklärt sich durch das Aussehen der mit Stroh gebrannten roten Backsteinen, die der Ruß schwarz aussehen ließ, sodass „Russen“ von „Rußen“ kommen könnte.

Erdgeschoss

Schulstube

Im Erdgeschoss ist eine Schulstube, wie sie in der Mitte des letzten Jahrhunderts üblich war, eingerichtet. Es sind vier Schulbänke aus den früheren Schulen in Niedergründau und Lieblos zu sehen. Eine Tafel, Lehrerpult und Lehrmittel sowie Schiefertafeln, Griffel und Ranzen vervollkommnen diese Ausstellung.

Vitrinensaal

Im zweiten Ausstellungsraum des Erdgeschosses stehen sieben Vitrinen in denen in wechselnder Folge unterschiedliche Exponate gezeigt werden. Zur Zeit beinhalten die Vitrinen folgendes:

Vitrine 1: Neue archäologische Funde aus Gründau
Vitrine 2: Glashütte Breitenborn
Vitrine 3: Geräte aus dem Frisörhandwerk
Vitrine 4: Schreibgeräte
Vitrine 5: Wächtersbacher Keramik
Vitrine 6: Photographie und Film
Vitrine 7: Krüge


Ein weiterer Blickfang ist der Nachbau eines Karussells, das den Besuchern sofort ins Auge fällt. Es wird mit einem Motor angetrieben und dazu kann man die typische Karussellmusik hören.

Obergeschoss

Versammlungssaal

Fotoausstellung "Hans-Joachim Tzschentke und seine
Fotoausstellung "Hans-Joachim Tzschentke und seine Schüler" - Bilder aus der Niedergründauer Schulzeit

Dieser Raum steht uns für umfangreiche, im Thema wechselnde, Fotoausstellungen zur Verfügung.

Gleichzeitig wird er als Treffpunkt der Besucher genutzt, die hier mit Getränken und Kuchen versorgt werden können.

Darüber hinaus finden hier Vorträge und unsere monatlichen Zusammenkünfte statt.

In einer Eckvitrine präsentieren wir das hölzerne Modell der Bergkirche, das 1863 von dem Niedergründauer Schreinermeister Ludwig Emmel angefertigt worden ist.

Es stellt die Kirche dar, wie sie vor 1838, vor dem Neubau des Kirchenschiffes, ausgesehen hat und zeigt Turm und Kirchenschiff im exakten Maßstab.

Archiv

Im rechten Teil des Obergeschosses befindet sich das historische Archiv der Gemeinde Gründau. Das Archiv ist für Besucher, nach Absprache mit dem Geschichtsverein Gründau, der das Archiv führt, zugänglich.

Nach Bildung der Großgemeinde Gründau in den Jahren 1970 bis 1972 gelangten die von dieser nicht mehr benötigten schriftlichen Dokumente, die bei den vorher selbständigen Gemeinden und nunmehrigen Ortsteilen aufbewahrt wurden, nach Einrichtung des Heimatmuseums ungeordnet in die Obhut des Geschichtsvereins. Vereinsmitglieder machten sich ab 1998 an die Aufgabe, die inzwischen nach Ortsteilen sortierten Dokumente archivarisch aufzuarbeiten. Die Erfassung konnte 2009 abgeschlossen werden.

Insgesamt umfassen die Bestände knapp 140 Regalmeter. Die Dokumente stammen in der Hauptsache aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Sie bieten Einblick in die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse der jeweiligen Zeit. Besonders ergiebig sind die Akten der Ortsteile Hain-Gründau und Mittel-Gründau, die der Grafschaft Ysenburg Büdingen - und bis 1919 dem Großherzogtum Hessen angehörten. Als ältestes Dokument kann ein Mittelgründauer Riss- und Gewannbuch aus dem Jahre 1724 genannt werden. Aus Haingründau sind Originaldokumente aus dem Jahre 1812 bis 1816 erhalten, die sich mit Kriegsfolgen des Rückzuge Napoleons befassen.
Über die Aktivitäten der amerikanischen Besatzungsmacht ab 1945 erfährt man einiges aus Akten, die in Lieblos und Breitenborn aufbewahrt worden sind.
Aus den Ortsteilen Lieblos, Rothenbergen, Hain- und Mittel-Gründau sind umfangreiche Akten der Gemeinderechner mit originalen Rechnungen vorhanden, die Aufschluss geben über die damaligen finanziellen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Gemeinden.